Workshop, Events, Networking, Best Practice and Recruiting

1. HR Experience X-Change: Erfolge und Misserfolge beim Azubi-Recruiting

Warum eben doch immer alle Recht hatten: Aus Fehlern lernt man! Lest hier über unseren ersten HR Experience X-Change

“Aus Fehlern lernt man!” Hat man uns das nicht bereits im Kindergarten erzählt? Warum lassen wir es dann so selten zu? Vielleicht weil es unangenehm ist, Misserfolge zu teilen? Vor allem vor anderen? Davon war beim ersten HR Experience X-Change gar nichts zu spüren! Wer zum Fenster des Social Impact Labs reingeschaut hätte, hätte nie im Leben ahnen können, dass das, was dort unter Personalerinnen ausgetauscht wurde, nicht nur Erfolgsstories des Azubi-Marketings und -Recruitings waren, sondern eben auch Misserfolgsstories. In munterer, empowernder Runde stand man da und erzählte sich gegenseitig von Herausforderungen. Doch anstatt abwertender und kritischer Blicke, prasselte es Ideen, was man hätte anders machen können – und zwar nicht aus der Luft gegriffen, sondern basierend auf den Erfahrungen der anderen Personalerinnen. Durch diese Erfahrungen inspiriert, wurden Lösungsvorschläge herausgearbeitet, die in Zukunft in der ein oder anderen Firma umgesetzt werden. Aus Fehlern lernt man also wirklich!

Aber der Reihe nach: am 27.August lud One Week Experience zum ersten HR Experience X-Change ein. Svanja Kleemann, die Geschäftsführerin von One Week Experience, eröffnete den Abend metaphorisch. Sie zeigte das Bild einer Katze, die vor vier verschiedenen Wollfäden sitzt und herausfinden muss, welcher der Fäden sie zu dem Wollknäul bringt. So fühlen sich sicherlich die meisten Jugendlichen – welchen Weg gehen? Welche Ausbildung wählen? Das Knäul steht hier für die Ausbildung, die tatsächlich zu einem passt, also den eigenen Fähigkeiten und Interessen entspricht. Aber was, so schlug Svanja vor, wenn nicht nur die Katze versuchen würde, den richtigen Weg zu finden, sondern auch das Knäul (hier der Ausbildungsbetrieb) auf sie zugehen und das Knäul von hinten aufrollen würde? Ein gutes Azubi-Marketing sorgt dafür, dass Ausbildungsinteressierte und Unternehmen zueinander finden, die auch zusammenpassen.

Ausbildungsinteressierte gibt es nicht im Singular

Dass das gar nicht so einfach ist, zeigte Josephine Diallo, die Programmleitung von One Week Azubi. Denn Ausbildungsinteressierte gibt es nicht im Singular! Diese Zielgruppe ist viel zu heterogen, als dass es beim Azubi-Marketing eine „one fits all-Lösung“ geben kann. Alter, Geschlecht, besuchte Schule, Schulabschluss, Elternhaus, Migrations- und Fluchthintergrund sind nur einige der Faktoren, die beeinflussen, wie Jugendliche nach einer Ausbildung suchen. So finden Jugendliche mit Hauptschulabschluss ihre Ausbildung beispielsweise eher offline (z.B. über Freunde und Bekannte oder die Agentur für Arbeit), während Gymnasiast*innen viel häufiger online fündig werden. Besonders kompliziert wird es allerdings, wenn man betrachtet, dass verschiedene Faktoren miteinander interagieren. Eine Sinus-Studie für die IHK Baden-Württemberg zeigt, dass es nicht stimmt, dass für die gesamte Generation Z Entfaltung und Spaß im Beruf wichtiger ist als der Verdienst. Es gibt durchaus Jugendliche, für die Geld und Karriere die größte Rolle bei der Ausbildungsentscheidung spielen – z.B. solche, die die Studie als „adaptiv-pragmatisch“ charakterisiert und die sich unter anderem durch einen mittleren Schulabschluss und eine moderne normative Grundhaltung auszeichnen. 

Nach diesem Input eröffnete Romy Battke von Zalando den Kernteil der Veranstaltung – den Experience X-Change – und gab Einblicke in das Azubi-Marketing und -Recruiting von dem wohl bekanntesten Mode-Unternehmen. Gestärkt von Romys Erfahrungen öffneten sich dann auch alle anderen, ließen ihren Stories freien Lauf und suchten gemeinsam nach Lösungen.

Die Learnings des Abends: Messen sind wenig erfolgsversprechend bei Schüler*innen, Azubis die besten Werbeträger, Warmhalten ist der Schlüssel und geschulte Vertrauens- und Ansprechpersonen ein Muss

In Sachen Azubi-Marketing waren sich alle einig: ob Online- oder Offline-Marketing – die Zielgruppe ist entscheidend bei der Wahl des richtigen Kanals! Man möchte z.B. meinen, dass traditionelle Messen ihre Wichtigkeit behalten, jedoch ist dem immer seltener so. Bei den Messen kommt es ganz auf die Zielgruppe sowie auf die Motivation des Messebesuchs an. So sind klassische Studien- und Ausbildungsmessen, bei denen „Schulklassen durchgeschleust werden“ eher frustrierend, da sich das Interesse der Schüler*innen oft auf die kostenlosen Gummibärchen und Stifte beschränkt. Eine der Personalerinnen hatte den Erfolg ihrer Messebesuche ausgewertet und kam zu dem Schluss, dass sie keine Bewerbungen darüber generieren konnten. Unternehmen, die Studienzweifler*innen ansprechen wollen, erleben auf Messen größere Erfolge, wobei es hier auch wieder auf die Art der Messe ankommt. Studienabbrecher*innen-Messen sind für diese Zielgruppe z.B. eher relevant. 

Sowohl online als auch offline funktioniert dahingegen das Peer-to-Peer-Marketing sehr gut. Wenn die Azubis selbst von ihrem Alltag erzählen oder sich persönlich mit den Interessierten austauschen, dann ist das nicht nur authentisch und kommt sehr gut bei den Interessierten an, sondern motiviert gleichzeitig die Azubis des Unternehmens. Eigentlich liegt das auch auf der Hand: mehr Verantwortung führt zu mehr Motivation und diejenigen die selbst drin stecken, können am besten berichten, wie es wirklich ist. Diese Erfahrung teilte nicht nur Romy von Zalando, die Jugendlichen durch One Week Azubi ermöglicht auf Augenhöhe sowie in 1-zu-1-Betreuung von einem Azubi durch den Ausbildungsalltag geführt zu werden, sondern auch die anderen Personalerinnen, die diesem Ansatz mit Azubi-Betriebsführungen o.ä. nahe kommen.

Bewerbungen allein kein Anzeichen für nachhaltigen Erfolg

Woher auch immer die Bewerbungen kommen – klar wurde an dem Abend, dass der Bewerbungseingang leider noch lange nicht der Gral des Erfolgs im Azubi-Recruiting ist. So bedeutet eine Bewerbung noch nicht zwangsläufig ein Erscheinen beim Vorstellungsgespräch oder dem Assessment-Center. „Ständiges Warmhalten“ ist hier eine erfolgsversprechende Strategie. Diese kann von der Geburtstagskarte, über die Erinnerungs-WhatsApp am Tag vor dem Bewerbungsgespräch bis hin zur Einladung zur Sommerfeier reichen. Den Ideen sind also keine Grenzen gesetzt.

Nun hat man mit viel Aufwand Azubis gefunden und diese sind am ersten Tag auch tatsächlich im Unternehmen. Wie hält man sie nun? Vertrauenspersonen und individuelle Betreuung waren da die Schlagworte des Abends. Nur wenn Azubis frühzeitig signalisieren können, dass sie Probleme haben, kann unterstützend eingegriffen und Abbrüche verhindert werden. Die Betreuung der Azubis sollte nicht einfach so nebenherlaufen oder Mitarbeitenden aufgezwungen werden. Zudem fehlt es bei den betreuenden Mitarbeitenden oft an Kompetenzen – z.B. um Frühwarnzeichnen für Abbrüche zu erkennen. Teamleiter*innen und Ausbilder*innen sollten also entsprechend geschult werden. So könne eine frühzeitige Kommunikation mit HR sowie Handlungsmöglichkeiten geschaffen werden.

Ein „magic evening“ und zwar nicht der letzte!

In lockerer Atmosphäre konnte nach dem offiziellen Teil des Abends der Austausch weitergeführt werden. Als rundum „magic evening“ fasste Svanja das Event zusammen.
Du bist Personaler*in und traurig, dass du diesen HR Experience X-Change verpasst hast? Tja, aus Fehlern lernt man! Sei einfach beim nächsten HR Experience X-Change dabei. Schreib jetzt eine E-Mail mit deinem Namen, Unternehmen und deiner Position an Svanja, um  eine Einladung zum nächsten HR Experience X-Change zu erhalten: s.kleemann@oneweekexperience.de.

 

 

Weitere aktuelle Artikel

… findest du in unserem Blog!